Mein Jahr 2025 …

Was war das für ein schnelllebiges, turbulentes Jahr.
Schon im Stillen begann es traurig – weil wir alle wussten, dass es mit Mama bald zu Ende gehen würde.
Umso dankbarer waren wir, dass sie Weihnachten noch erleben durfte. Wir haben alles aufgefahren, was ging, um ihr ein wunderschönes Fest zu schenken – mit all seinen Facetten. Auch ihren Geburtstag im Dezember durften wir noch gemeinsam feiern. Und was war das für ein schöner Tag. Das größte Geschenk für sie war nicht etwas Materielles, sondern dass wir alle da waren. Dass wir Zeit hatten. Zeit für sie.
Der Abschied kam dann leider schneller als gedacht.
An meinem Geburtstag im März – als hätte sie genau darauf gewartet – nahm sie mich morgens noch einmal in den Arm, drückte mich fest und bedankte sich für alles, was ich in diesem Jahr der Krankheit für sie getan hatte. Und das, obwohl ich parallel meinen schwer erkrankten Mann versorgt habe.
Am selben Tag sagte sie zu mir:
„Horch, mein Mädchen. Ich übertrage dir jetzt die Verantwortung für die Familie. Sei du nun das Oberhaupt. Du weißt, was zu tun ist.“
Wir haben danach noch bis zum letzten Atemzug mit ihr gekämpft.
Sie musste nicht alleine gehen – wir waren auf ihrem letzten Weg bei ihr. Dafür bin ich unendlich dankbar. Für sie und für uns als Familie war das ein Geschenk.
So nahm das Jahr seinen Lauf.
Zur gleichen Zeit wurde die Stammzelltransplantation meines Mannes vorbereitet und schließlich durchgeführt. Uns war bewusst, dass auch das kein Spaziergang werden würde – aber was dann alles kam, überstieg unser aller Vorstellungsvermögen.
Das erste halbe Jahr war bereits vorbei, mein Mann immer noch in der Klinik, ein Nach-Hause-Kommen nicht in Sicht. Alles hing an mir.
Was es da alles zu denken, zu organisieren, zu erledigen und am Laufen zu halten gab – heute frage ich mich ehrlich: Wie habe ich das alles nur geschafft?
Jedes Wochenende war ich bei meinem Mann in der Klinik. Manchmal einen Tag, manchmal zwei, manchmal auch drei. Um ihm Kraft zu geben, ihn aufzumuntern, die Animateurin zu sein. Unter der Woche mein Geschäft, meine Familie, der Alltag.
Irgendwann kamen dann diese Fragen:
Was muss ich eigentlich noch alles aushalten?
Womit habe ich das verdient?
Warum ich?
Man muss da sehr aufpassen, nicht vom Weg abzukommen. Sich nicht fallen zu lassen, obwohl man keine Kraft mehr hat. Aber ich musste funktionieren.
Und genau das tat ich: Ich funktionierte nur noch. Ein eigenes Leben hatte ich eigentlich nicht mehr.
So ging es weiter bis in den August hinein. Dann kam endlich der Tag, an dem mein Mann nach Hause durfte – nach acht Monaten Krankenhausaufenthalt. Doch das Drama nahm seinen Lauf.
Beim Auto würde man sagen: wirtschaftlicher Totalschaden.
Genau das habe ich nach Hause bekommen. Einen Pflegefall – 24/7.
Zum Glück kann ich von zuhause aus arbeiten. Ich weiß bis heute nicht, wie ich das sonst alles hätte schaffen sollen.
Jetzt ist Dezember. Ein gutes Ende ist noch nicht in Sicht. Alles ist weiterhin sehr beschwerlich, und noch immer klebt fast alles an mir. Aber man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Es ist, wie es ist – es nutzt ja alles nichts.
Und doch tauchen sie wieder auf, diese Fragen: Was habe ich eigentlich verbrochen, dass mir all das auferlegt wird?
So habe ich mir den letzten Teil meines Lebens nicht vorgestellt.
Einige Antworten habe ich inzwischen bekommen. Andere werden noch kommen. Aber ich weiß heute: 2026 muss ich neu gestalten. Für mich.
Ich habe mich für andere aufgegeben. Mich ganz weit hinten angestellt. Auf so vieles verzichtet. Ich hatte eigentlich kein eigenes Leben mehr.
Das wird sich ändern.
2026 werde ich wieder anfangen, an mich zu glauben. Mich neu aufstellen. Mich wieder wichtig nehmen. Mir Zeit nehmen. Wieder mehr unternehmen. Wieder anfangen zu leben.
Dabei werden mir die Rituale der Rauhnächte helfen. Sie sind ein Anfang. Eine Zeit, in der ich mich zurücknehme, bei mir bin, Zeit mit mir und für mich verbringe.
Ich möchte nicht mehr ständig für andere präsent sein. Mich nicht mehr unter Druck setzen, um es allen recht zu machen.
Danke, 2025.
Du hast mir viel aufgezeigt. Du warst ein hartes, aber sehr lehrreiches Jahr.
Willkommen, 2026.
Ich freue mich auf dich – und auf alles, was du für mich bereithältst.
Alles hat seinen Grund, warum etwas wann kommt, auch wenn ich es zunächst nicht verstehe.
Ich werde ein positiver Mensch bleiben. Für mich und für andere – nur anders.
Meinen Humor habe ich nie verloren, und den werde ich behalten. Egal was ist.
Und ich werde auch 2026 jeden Morgen das tun, was ich 2025 getan habe:
Mir im Spiegel mit einem Lächeln einen schönen Tag wünschen.
Selbst dann, wenn er noch so bescheiden sein wird.
Denn wie gesagt:
Alles hat seinen Grund.

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar